Ein Blick über den eigenen Tellerrand: eBay – einiges neu, manches anders

Als Unternehmer sollte man sich unter einigen Gesichtspunkten auch öfter mal seine Konkurrenz ansehen. So weiß man als Gründer von yopi.de durchaus, in welchen Regionen die Zugriffzahlen von idealo.de, ciao.de oder dooyoo.de stehen. Ein nicht ganz direkter Konkurrent, sondern eher ein vertikaler Partner ist eBay.de , ein langjähriger Geschäftspartner.

Nun hat eBay in den letzten Wochen sehr oft harsche Kritik einstecken müssen, dass die Umsätze und die Anzahl der angebotenen Artikel rückläufig sei und dass die Qualität des Services nicht mehr stimme. Darauf hin hat eBay einiges geändert, in einer Schnelligkeit und Flexibilität, wie man es von einem solch großen Konzern nicht erwartet hätte: Neues Design, bessere Usability (Benutzbarkeit), frischere Farben und Schriften und einige neue Funktionen.

Design: Meiner Meinung nach ist das neue Desing der optimale Mittelweg zwischen allzu bubbeligem Web2.0-Style und der doch recht langweiligen Jahr2000-Bemalung. Die Farbfades in den Balken sind auf dem Stand der Zeit, die Corporate-Identity Farben finden sich sehr oft wieder. Die grau unterlegte zentrale Navigation oben rechts vermeidet erfolgreich das „lost-in-space“-Problem: Man weiß immer wo man „ganz zurück“ kommt.

Usability: Man spürt die Überarbeitung in kleinen Details bei der normalen Benutzung: „Diese Suche speichern“ funktioniert jetzt einfacher und schneller mittels eines kleinen Ajax-Popups. Auch vielleicht nützlich ist der Kasten auf der Startseite „Beliebt auf eBay“: Dort sieht man die angeblich meistgesuchten Begriffe verschiedener Themen. Naja – jeder in der Branche weiß, dass die Suchphrasen der Nutzer nicht so sauber aussehen wie dort gezeigt und dass das eine lose Sammlung von Keywords ist.

Kritik: Bei allem Lob; ich persönlich habe auch Bedenken. In den eBay-News (per interner Mail, die man irgendwie nie liest) vom 04.10. steht, dass eBay die Firma hinter Afterbuy gekauft hat. Als Käufer kennt man Afterbuy als gelungenes Tool zur Abwicklung aller Tätigkeiten nach einem Kauf. Die gewerblichen Verkäufer kennen Afterbuy als wertvolle Logistikhilfe. Ich persönlich denke, dass eBay nun die Attraktivität des Tools senken könnte, weil es wie bei so vielen anderen Tools in eBay-Besitz die Gebühren zu hoch ansetzt.

Zum Beispiel kenne ich Paypal auch als Anwender im Business-Bereich, um Zahlungen abzuwickeln. Die Gebührenordnung war anfangs (2005) noch fair aber nicht billig. Nach und nach wurden die Gebühren so stark erhöht, dass viele Geschäftsprozesse (auch der Geldempfang) zu teuer wurden, so dass sicherlich viele Anwender sich nach Alternativen umschauten. (hier die offizielle eBay-Meldung)
Einige preisen die Gebühren ein, andere sind verwirrt und viele fühlen sich zu sehr ausgenommen.

Die Kosten auf der Plattform eBay.de sind meiner Meinung nach ebenso über der Schmerzgrenze: Wenn ich als privater Anbieter Technik anbiete und für den kläglichen Kaufpreis in der Überflussgesellschaft noch viele Prozente an eBay geben muss, macht es kaum Sinn, den Deal über eBay laufen zu lassen – dann gehen die Leute wieder in die Newsgroups und auf den echten Trödelmarkt. Außerdem schlägt für eBayhier die Wucht des Henne-Ei Problems zu: Wenn es weniger Anbieter gibt, kommen weniger Käufer – fehlen die Käufer, sinken die Preise überproportional und somit bleiben mehr Verkäufer der Plattform fern.

Alles in allem bleibt also zu hoffen, dass eBay bei Afterbuy nicht ähnliche (Gebühren)-Fehler macht und bei der eigenen Plattform und auch bei den Töchtern Paypal, Skype und vielen anderen bekannten Brands die Gebühren in ein Niveau einpegelt, wo die Anwender sich fair behandelt fühlen. Dann klappts auch wieder mit dem Nachbarn – äah mit den Anwendern – mit allen: mit den Anbietern und den Käufern, mit privaten und gewerblichen Anwendern.

Trotzdem kann ich einen Besuch bei www.eBay.de nach den Änderungen der letzten Wochen gern empfehlen.